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Standpunkte

Wölfe und Menschen wurden Partner

"Die soziale Kompetenz wurde gestärkt, die Lernfähigkeit ebenso. So entstanden Wille und Fähigkeit, zusammen zu arbeiten als eine Form der aktiven Partnerschaft von Mensch und Hund. So half der Hund dem Mensch in allen Berufen. Das verbindet. Auch heute noch wirken diese Mechanismen und produzieren die positive Wirkung des Hundes auf unsere Psyche und Gesundheit."

aus Interview mit Marc Bekoff auf Psychology Today "Dumping the Dog Domestication Dump Theory Once and For All"

Zur Bedeutung des Stressabbaus in der Evolution des Menschen

"Eine weitere, nicht unbedeutende Wirkung der Mensch-Hund-Bindung war jedoch der Stressabbau. Bessere und sicherere Nahrungsversorgung und höherer Schutz vor konkurrierenden Vier- und Zweibeinern ließen das Stressniveau sinken. Die Erfahrung eines positiven, ja innigen und vertrauensvollen Umgangs mit der anderen Spezies ließ ebenfalls den Stresslevel sinken und zudem, die Bindung und das Wohlbefinden stärkende Hormone wie Oxytocin, Serotonin oder Dopamin ausschütten. Wir wissen heute sehr genau, dass eine solche soziale Wohlfühlsituation positive Auswirkungen auf unsere gesamte intellektuelle und psychische Entwicklung und Leistungsfähigkeit und sogar unser Immunsystem hat, was letztlich auch die Fertilität von Individuum und Gruppe erhöht. Es gibt also einige gute Gründe für die These, dass die Zusammenarbeit mit dem Wolf und schließlich dem Hund ein wichtiger Meilenstein für die erfolgreiche Evolution unserer Spezies war."

aus: "Tierisch beste Freunde: Mensch und Hund - von Streicheln, Stress und Oxytocin" (zusammen mit Daniela Pörtl)

Der Hund stellt ein positives soziales Umfeld dar

"In uns heutigen Menschen ist das evolutionäre Erbe, sich als Teil der Natur zu verstehen, zwar weitgehend verschüttet, aber noch lebendig. Deshalb wirken eine malerische Landschaft oder eine friedlich grasende Rinder-Herde beruhigend. Beim Hund geht das noch ein Stück weiter. Er ist ein aktiver Sozialpartner, der unsere Nähe sucht, mit uns arbeiten, uns gefallen will. Der Hund mag uns, auch wenn wir wieder einmal zu spät nach Hause kommen oder irgendetwas falsch gemacht haben, wofür uns selbst unser menschlicher Partner schelten würde. Der Hund stellt keine Leistungsanforderungen für seine Zuneigung. Der Hund stellt - für uns unbewusst - ein positives soziales Umfeld dar. Und er ist ja auch real seit der Altsteinzeit ein elementarer Teil unserer Gemeinschaft, auf den wir uns immer verlassen mussten und auch konnten. Hirnscans der Uni Bonn geben Hinweise, dass dieses Vertrauen in uns auch heute noch archaisch verankert ist. Die Nähe eines Hundes tut uns psychisch und körperlich gut. Wir werden weniger krank und schneller gesund. Sogar unsere intellektuellen Leistungen werden positiv beeinflusst. Das ist inzwischen vielfältig und umfassend wissenschaftlich nachgewiesen."

Daniela Pörtl, Interview im Magazin hundeschau 02/2016 "Tierisch beste Freunde - Warum wir Hunde brauchen"

Hundeforschung heute - alles, nur nicht für den Hund

"Ob nun bei der Erforschung einer neuen Generation Psychopharmaka, von Pillen für ein längeres Leben, Optimierung von Hundeprodukten oder auf der Suche nach dem optimalen Hund zur Vermarktung eines x-beliebigen Produktes, sogar beim Thema tiergestützte Therapie - die Hundeforschung dient NICHT dem Hund. Bestenfalls fällt etwas für den Hund ab, wie die Reste vom Tisch bei seiner Ernährung. Die Forschung dient flächendeckend nicht primär unserem angeblich besten Freund. Es geht primär um die Gewinne großer Konzerne. Und nur deshalb und dafür gibt es Forschungsgeld. Das Funding, wie es in der Wissenschaftsszene genannt wird, ist ein grundlegendes und ständiges Problem nicht nur der Hundeforscher. So ist die Grund-lagenforschung zum Thema Mensch und Hund im heutigen Deutsch-land annähernd vollständig zum Erliegen gekommen. Das liegt nicht an den Forschern selbst. Es liegt erst recht nicht daran, dass es nicht genug spannende Themen für die Forschung gäbe. Für solche Arbeit bedarf es nun einmal finanzieller Mittel und die gibt es bisher nur von der Pharma-, Werbe- und Futtermittelindustrie. "

aus: "Schwarzbuch Hund - Qualzucht, Hundehandel, Futterschwindel ", 2018

Der Hund - Teil unserer Geschichte

"Jede Hunderasse repräsentiert ein Stück gemeinsamer Geschichte Mensch Hund. Jede einzelne Hunderasse ist ein Stück konkretes kulturelles Erbe. Jede Rasse gibt mit ihrem Wesen Zeugnis einer speziellen gemeinsamen Arbeit mit uns Menschen und damit auch von unserer eigenen Historie. So hat jede Hunderasse ihren besonderen, individuellen und einzigartigen Charakter und Reiz. ... Der Rassehund ist keine Modeerscheinung, keine Erfindung der letzten 100 Jahre, kein Ausdruck westlicher Dekadenz. Der Rassehund ist, lassen Sie es mich so sagen, ein integrales Element unserer eigenen Geschichte und das seit sehr langer Zeit."

aus: Redebeitrag zur Tagung der Zuchtverantwortlichen des VDH 5.11.2011 im Kongresszentrum Westfalenhallen Dortmund


Strukturelle Missachtung des Hundes heute

"Für unsere eigenen Nahrungsmittel, Kleidung, Wohnungen achten wir auf Bio und leisten es uns, wenn wir es uns nur leisten können. Jede Salatgurke beim Discounter um die Ecke wird schärfer und konsequenter kontrolliert als die Zucht unserer Hunde. Hier verzichten wir fast vollständig auf eine unabhängige Kontrolle. Lediglich extremste Auswüchse werden von den zuständigen Behörden erfasst und das auch nur, wenn überhaupt, jeweils im Einzelfall."

aus: "Schwarzbuch Hund - Die Menschen und ihr bester Freund", 1. Auflage 2009